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Eva schläft – Verlag K. Wagenbach, 2018 von Francesca Melandri vorgestellt von Ingrid Holler

Der Roman spielt auf dem Hintergrund der wechselvollen Geschichte Südtirols. Es geht darum, wie vor noch nicht allzu langer Zeit viel stärkere Konventionen als heute das Leben der Menschen bestimmt haben – und zwar auf beiden Seiten: der italienischen und der deutschstämmigen.

 


Durch diese Konventionen und der dazugehörigen Angst vor Ausschluss aus der Gemeinschaft lässt sich ein italienischer Mann von seiner großen Liebe zu einer deutschstämmigen Südtirolerin abbringen. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, bzw. die Angst, diese zu verlieren ist stärker als seine Liebe.

Allein diesen Sachverhalt finde ich äußerst aktuell, wenn man an „fremde“ Kulturen denkt, deren Handlungen und Verhaltensweisen bei uns mitunter große Fragezeichen auslösen. Vielleicht steckt hinter manchem, was für uns ungewohnt bis unverständlich ist, das starke Anliegen nach Zugehörigkeit.

Das Besondere an dem Buch ist für mich, wie die Südtirolerin mit dieser schmerzlichen Entscheidung umgeht. Sie geht nämlich mitnichten daran zugrunde, sondern stärkt sich immer wieder aufs Neue, indem sie sich selbst treu bleibt – man könnte es auch Selbstempathie nennen.

Das Buch finde ich insofern stilistisch wunderbar geschrieben, als die Autorin keine Urteile fällt über ihre Figuren. Sie beschreibt das, was sie tun, was sie empfinden, wie sie mit einem Leben voll mit Herausforderungen umgehen – so kann ich als Leserin mir dann selbst ein Urteil bilden. Sehr angenehm.

 
 
 
 

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